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:: Jaganaud ::

Fabian Lorenzen aka Jaganaud gehört zu den "Urgesteinen" der Awardszene.
Als Mitbetreiber des ehemaligen WHM-Indizes weiss er genau von was er spricht.
Sein Essay sollten sich Awardies, die sich mit der Absicht tragen, ohne jedes Hintergrundwissen und Kompetenz einen siegelvergebenden Awardindex ins Leben zu rufen, zu Gemüte führen und sich nicht leichtfertig der Lächerlichkeit preisgeben!

Autor: Fabian Lorenzen
Datum: 30.04.2004

 


:::: Der Awardindex - Konzept ohne Gegenwartsbezug ::::

18.17 Gast-Kommentar:
        Datum: 30.04.2004

In diesen Tagen, wenn der Blick des zeitgenössischen Surfers durch die nivellierte und geschrumpfte Awardwelt schweift, mag ihm die erstaunliche Wachstumsfreudigkeit nicht entgangen sein, die Exemplare des beliebtesten und doch auch streitbarsten Objekt innerhalb Awardiens an den Tag legen:

die berühmt-berüchtigen Award-Indizes.
Nachdem es beim Entstehen und Vergehen dieser seltsamen Award-Gewächse zuletzt eher ruhiger zuging, so kann man doch einhergehend mit dem (ein wenig verspäteten) Anbrechen des Frühlings beobachten, wie neue Index-Pflanzen derzeit wieder geradezu wildwuchsmäßig ins Kraut schießen.

Hier macht diese "dem Award ihren Stellenwert zurückgeben" Organisation auf, da jener "rundum erneuerte Ethik Zirkel", und dort findet sich bereits schon wieder ein Startscreen einer neuen, zweifellos alles übertreffenden und an Innovation nicht zu überbietenden Index-Ressource, die die Awardwelt fraglos für immer verändern wird... oder doch nicht?

Bezeichnend sind ja die Reaktionen, die man in den einschlägigen Foren auf diesen neu entfachten Wildwuchs beobachten kann.
Da ist von "Augen-verdrehen", einem gequältes "nicht schon wieder" bis zu "mein Gott, wer's braucht" eigentlich alles dabei, was von Übersättigung, Gleichgültigkeit und gewissem Sarkasmus zeugt - von Jubelstürmen und begeistertem Beifall ist wenig zu sehen.

Gewiss, denn die semi-professionellen Awardies, kriteriengestählt und innerhalb des Award-Kreisels fest verankert, sind kritisch geworden, was neue Awardprojekte angeht;
nachdem jeder schließlich heuer mindestens einen Award-Diplomanschluss hat, einen bereits existenten Index-Leiterposten oder aber langjährige - pardon, langwöchige Erfahrung als Awardvergeber und Mitevaluator in diversen hoch gerateten anderen Vergaben vorweisen kann, lässt sich der mediokre Award-Profi heuer freilich nicht mehr so leicht zu unschuldiger Begeisterung und kritikfreier Lobesfülle hinreißen - schließlich ist man ja kompetent genug, die Kompetenz des "Neuen" gründlich zu durchleuchten und ihn gegebenenfalls nach dem Wiegen für zu leicht zu befinden.

Was also treibt diese gejagten Seelen, sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung Awardiens dem Risiko auszusetzen, mit der dritten Auflage des UVW Index, mit der Relaunch des 2000 geschlossenenen VWX Index, mit der Neugründung des WXY Index in Partnerunion mit dem XYZ Board binnen kürzester Zeit award-medientechnisch Baden zu gehen?
Warum sprießen sie also weiter wie Pilze aus dem Boden, die Award-Prüfstellen, Siegeleien, Rating-Institutionen, die doch nichts anderes zu bieten haben als die 247 Indizes und Datenbanken, die schon da sind, und denen es keineswegs besonders blendend geht im Zeitalter des "aufgeklärten, diplomierten" Awardies?!

Werfen wir einmal einen Blick zurück. Vor Jahren, genau genommen noch im letzten Jahrhundert, war Awardien eine andere Welt. Lose organisiert, frei von Meinungsführerschaft und Award-Allianzen, gab es damals drei oder vier Award-Ressourcen, die der Vielzahl von Awardies, die damals durch das Web geisterten durch eine Aufnahme in ihre "Hallen" einerseits bescheinigten, dass ihre Awards einem gewissen Standard genügten und andererseits dafür Sorge trugen, dass diese gehaltvollen Auszeichnungen innerhalb ihrer Projekte in einem würdigen Rahmen präsentiert wurden.

Das alles diente seinerzeit sowohl der Würdigung des Awardmasters, der auf Grund der feststehenden und allgemein akzeptierten Bewertungskompetenz der drei, vier Ressourcenbetreiber diese Würdigung fraglos zu schätzen wusste, als auch der selektiven Listung allgemein als ausgezeichnet anerkannter Awardvergaben für eventuell interessierte Bewerber.
Der Stellenwert, den heute jedes Projekt dem Award zurückgeben will, der war seinerzeit ganz natürlich gegeben.

Freilich, dies soll keine Hommage an die alten Zeiten werden, denn auch in der Vergangenheit war nicht alles rosa-himmelblau, wenngleich die Verklärung auch in Awardkreisen eine nicht unerhebliche Größe ist.
Unbestritten kann aber sein, dass ein "Prüfsiegel" - wenigstens von den drei, vier awardienweit anerkannten Insitutionen - seinerzeit durchaus einen gewissen _Wert_ hatte, und sei es nur für den Awardmaster selber als schöne Bestätigung seiner erfolgreichen Arbeit.

Und heute?

Die drei, vier einst allgemein anerkannten Institutionen sind Geschichte, bis auf eine. Und diese eine - sei es durch ihre langwährende Inaktivität, sei es durch das zwischenzeitliche Wuchern der mediokren Index-Landschaft im Zuge der allgemeinen Award-Nivellierung - hat unter den heutigen kriteriengestählten Award-Semiprofessionellen, die ja meist selbst in irgendeinem Index mitevaluieren oder diese oder jene Awardaktion leiten keinesfalls mehr die Reputation, die sie einmal hatte.

"Schließlich mache ich das ja alles selber, was dieser Uralt-Index" da feilbietet - was für einen übergeordneten Wert sollte da noch ein Grüner Daumen gegenüber meinen 12 anderen Prüfsiegeln haben?"
Aber die grundsätzliche Frage ist doch eine andere:

wieso lassen sich semi-professionelle und im Awardkreiseln perfekt geschulte Awardies überhaupt noch prüfsiegeln, noch dazu von "Ihresgleichen"?
Welchen Kompetenznachweis kann das erbringen, wo liegt die Außergewöhnlichkeit?

Die grundsätzliche Frage lautet:

wozu braucht der Awardkreisler ein Prüfsiegel?

Awards werden heute wie Spielkarten in einem fest umgrenzten Teilnehmerkreis verteilt.
Man spielt mit, also erhält man diverse Karten... äh, Awards. Man zieht und legt ab, und versucht ein gutes Blatt zu bekommen.
Geradezu logisch erscheint doch also dann die Umlegung dieses Prinzips auf das "Prüf"-Siegel.

Man siegelt sich gegenseitig zu, bis alle Webseiten gleichmäßig mit schönen bunten und beifallheischenden(?) Siegeln gefüllt sind - sozusagen ein induzierter Aufbau von Kompetenzzurschaustellung.
Nicht die Einzelleistung ist länger wichtig, sondern das Teamwork im Kollektiv, somit eine gemeinschaftliche Kompetenzanhebung, eine wechselseitige Bestätigung der eigenen Klasse - Prüfsiegel als Meta-Awards.
Es ist klar, dass wenn man soweit gekommen ist, der Terminus "Prüfsiegel" freilich nicht mehr adäquat ist. Wozu sollte man sich prüfen lassen, wo doch die Kompetenz innerhalb der Award-Spirale durch wechselseitiges Awarden und Gegenawarden, Siegeln und Resiegeln bereits klar definiert ist, eingegrenzt in Leitlinien, in der Bahn gehalten von allgemein akzeptierten

"Must Do's" und "Must not Do's".

Ein Awardindex ist heute somit keinesfalls eine Institution zur Qualitätskontrolle einer Award-Auszeichnung mehr, sondern vielmehr eine Meta-Ebene der allgemein heute als "Awardkreisel" bekannten, sich selbst in Gang haltenden Award-Spirale.
Und hier haben wir den Grund, warum "Award-Indizes" auch weiterhin wie Pilze aus dem Boden schießen.
Nur noch dem Namen nach den alten Institutionen aus dem letzten Jahrhundert ähnlich, festigen sie durch ihre Kohäsionswirkung die Gravitation innerhalb der schrumpfenden und nivellierten Awardszene - nicht mehr die Schwerkraft-Giganten der Vergangenheit halten die awardische Wolke zusammen, sondern kleine, dutzendfach untereinander verbundene Mini-Gravitationszentren, die die zwei, drei Dutzend verbliebenen ernst zu nehmenden deutschsprachigen Awardprogramme - abgesehen von ihrer eigenen Kohäsionswirkung durch den Awardaustausch untereinander - auf einer übergeordneten Ebene zusammenhalten.

Fraglos würde diese Entwicklung in der Theorie irgendwann zur Parität der Anzahl von Awardvergaben vs Indizes führen; allein das durchaus vorhandene Bewusstsein, dass Indizes in der Tat längst nicht mehr dem einst ihnen zuzuordneten Zweck dienen sondern lediglich ein Instrument zur Balancierung des jeglicher herausragender und unbestritten anerkannter Autoritäten verlustig gegangen Awardiens darstellen, steht wohl dagegen.

Das MetatroniC erscheint dabei fast wie ein grotesker Meteroit aus fernen kosmischen Gegenden, war es doch niemals zu diesem Zwecke konzipiert worden sondern wirklich ein Index im Sinne der Definition gewesen.
Jedoch, die Gesetze der Award-Physik machen auch vor ehedem renommierten Award-Projekten nicht halt;

das Prüfsiegel der WL ist - sehr zum Bedauern manches die Zusammenhänge durchschauenden Award-Zeitgenossen - in den Augen der Kreisel-Awardies nur ein weiterer Kohäsions-Faktor in einem Meer von aussagelosen "Prüfplaketten", die nur dem Namen nach so heißen.
Die Entwicklung Awardiens hinsichtlich eines eng umgrenzten, allein auf sich selbst konzentrierten Sternenhaufens - oder, von der reinen Anzahl der Partizipierenden einmal ausgehend, eher Asteroidenhaufen - ist fraglos noch nicht abgeschlossen.
Die vielfache und mehrfach überkreuzte Verwebung jedes Awardmasters in ein festes Netz aus Aktionen, Indizes, Foren-Communites und Informations-Ressourcen, in welchem er fast immer mehr als nur eine Funktion gleichzeitig wahrnimmt, hat indes schon erstaunlich starke Binnenkräfte entfaltet und hält den "Asteroidenhaufen" Awardien bemerkenswert fest beieinander.

Drumherum ist Leere...
Zusammenfassend lässt sich sagen: ein Index ist heute prinzipiell für den (Nichtkreisel-)Awardie unwichtig geworden, wenn er nicht ein gesteigertes Interesse darin hat, sich möglichst fest in das fest verzurrte Netz oberhalb der Award-Rotation einzubinden, die Meta-Awards über den Awards an sich.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen hat kein Index der Jetztzeit die Kompetenz, einem Awardie überhaupt ein repräsentatives "Prüfsiegel" ausstellen zu können - es so zu nennen würde der Sache nicht gerecht werden.
Vielmehr vergeben die meisten Indizes in Wahrheit eine Art "Ich bin auch dabei" Plakette, die je nach Pseudo-Level dann unter Umständen eine andere Gestaltung aufweist, um den Schein von "awardischer Würdigung" zu wahren und dem gerecht zu werden, was in den Indizes des letzten Jahrhunderts eine Zeit lang einmal Realität war.

Ansonsten sind Indizes heute nichts weiter als banale, meist nicht einmal sonderlich ansprechend gestaltete Linklisten ohne jedes Flair und ohne jede Ausstrahlungskraft.
Sie bedeuten nichts mehr... und haben allenfalls noch gravitationstechnisch Einfluss auf das nivellierte Awardien.

Eine Awardvergabe braucht keine Kriterien mehr, das hat die zuletzt in den einschlägigen Foren ausgetragene Diskussion gezeigt.
Sie braucht auch keine Prüfplaketten mehr.

Jaganaud
im April 2004



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